Menschen in der Großstadt – Das Corona-Jahr


 

Am 17. Januar 2020, bin ich zum ersten Mal in diesem Jahr mit meiner Kamera in Hannovers Innenstadt unterwegs. Für diesen Freitag sind zwei Demos angesagt: Fridays for Future und eine Bauerndemo gegen die neue Düngeverordnung. Als Straßenfotograf erhoffe ich mir, einige besondere Situationen einzufangen. Das Top-Bild des Tages ist dann aber die Unterhaltung zwischen einem älteren Herrn und einem Punker, vor dem Bahnhofsportal. Es kommt immer anders als man denkt. Das ist typisch für die Straßenfotografie. Zu diesem Zeitpunkt gibt es schon die Berichte über das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 aus Wuhan, die nichts Gutes erahnen lassen. Während das Virus bereits in Norditalien wütet, zieht am 22. Februar der Karnevalsumzug mit 1500 Karnevalisten vor Zehntausend Zuschauern durch Hannovers Innenstadt. Der Umzug soll das letzte Großevent für lange Zeit werden.

 

 

 

 

Auf Grund der hohen Infektionsraten werden ab dem 16. März Schulen Kindertagesstätten Museen, Theater, Geschäfte des Einzelhandels sowie Kultur-, Sport-, Freizeit- und Vergnügungsstätten geschlossen. Die Stadt steht praktisch still, so als wenn jemand den Stecker gezogen hat. Für mich als Straßenfotograf ist das eine ganz neue Erfahrung. Jetzt fotografiere ich auch die leere Einkaufsstraßen. Die wenigen Menschen, die sich noch in der Innenstadt aufhalten sind meist Obdachlose. Sie haben ihre Schlafplätze jetzt in den Eingängen der Kaufhäuser. Spenden von Passanten gibt es nicht mehr. Polizei und Ordnungsamt kontrollieren regelmäßig die Einhaltung der Maßnahmen. Eine Gruppe von Punks muss sich auflösen und ihren Stammplatz verlassen. Einige Restaurants liefern jetzt ihr Essen außer Haus. Die Fahrradkuriere der Lieferdienste sind ständig unterwegs.

 

 

Ab 20. April werden die Corona-Schutz- maßnahmen Schritt für Schritt gelockert.  Wärend sich die Menschen langsam an die neue Situation gewöhnen, beginnen im Mai die Demos gegen die Corona-Auflagen mit den entsprechenden Gegendemos. In den Sommermonaten ist das Leben in der Stadt fast wieder normal. Weil Frühlings- und Schützenfest abgesagt wurden, dürfen die Schausteller einige Buden und Fahr-geschäfte einzeln in der Stadt aufstellen. Vor der Oper steht jetzt ein Kettenkarussel. Während im Mai viele unterschiedliche Gruppen zu Kundgebungen gegen die Corona-Auflagen aufriefen, werden jetzt die Demonstrationen von der Querdenker Bewegung angeführt, begleitet von den Gegenprotesten der Linksautonomen. Wegen der rasant steigenden Neuin-fektionen  sind ab November die Restaurants wieder geschlossen und für die Innenstadt wird eine Maskenpflicht angeordnet.

 

 

 

 

 


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